Umwelt -und Ethikkriterien für grüne IT

Liebe Leser,

im Forum für strategischen Konsum (Utopia.de) habe ich heute auf eine Frage der Nutzerin Annique geantwortet.

www.utopia.de/gutefragen/fragen/wer-kennt-sich-mit-grunen-notebooks-aus

Sie möchte sich ein neues Notebook kaufen, das nachhaltig, ökologisch und ethisch korrekt ist, bzw. diesem Ideal am nächsten kommt. Worauf ist hier zu achten?

Umwelt- und Ethik-Kriterien umfassen aus meiner Sicht grundsätzlich die Aspekte: 

  1. Stoffe (Chemikalien) im Produktlebenszyklus
  2. Energiebilanz (im Hinblick auf Klimaschutz)
  3. Recycling
  4. Arbeits-Standards in der Lieferkette

zu 1): In der EU gelten vergleichsweise strenge Richtlinien für verbotene Stoffe (RoHS Verordnung). Manche Hersteller werben mit der Aussage, auch in anderen Ländern die EU-Standards zu befolgen. Darüber hinausgehende Beschränkungen sind freiwillig und deren Relevanz ist von Laien schwer zu beurteilen - man sollte sich nicht durch Marketing blenden lassen. Initiativen wie "der Blaue Engel" des Umweltbundesamtes oder das "Nordic Swan" Kennzeichen gehen weiter, bieten aber im allgemeinen keinen aktuellen Überblick über das komplette Angebot. Der Qualifizierungsprozess ist aufwendig, so dass kein Hersteller alle Produkte kennzeichnet und die meisten Einträge nicht dem neuesten technischen Stand entsprechen. Dennoch gibt es eine Orientierung, einmal nachzuschauen, wer denn überhaupt solche Kennzeichnungen erworben hat.

zu 2): Für einen Laptop findet (im Gegensatz zun Server) der Energieverbrauch hauptsächlich in der Produktion statt. Dies ist das Thema der Ermittlung des sog. "product carbon footprint" (PCF). Es gibt heute noch keinerlei Standardisierung solcher Angaben und die Erfassung ist wegen der extrem komplexen Lieferkette bei Elektronikprodukten sehr schwierig. Man sollte also darauf achten, dass das Gerät die neue Richtlinie Energy Star 5.0 des US EPA erfüllt (wichtig ist 5.0 statt 4.x). Produktionsbezogene Energiekriterien sind heute (noch) nicht sinnvoll.

zu 3) Recycling: Es gelten im übertragenen Sinne Aussagen aus 1., außerdem ist dieses Kriterium landesbezogen. In Deutschland ist FUJITSU mit Abstand führend ( aus unserer mit Nixdorf begonnenen Tradition heraus). Unsere Rücknahmerate (, die wir SELBST recyclen,) liegt über 20% und in dieser Menge ist die Recyclingrate über 98%. D.h. weniger als 2% der Stoffe (nach Gewicht) landet endgültig auf einer Deponie.

zu 4): Hier geht es natürlich NICHT um Arbeits-Ethik in Deutschland sondern um die Frage, ob Vorprodukte (in Asien) mit Kinderarbeit und anderen verwerflichen Methoden hergestellt wurden, ob Freiheit von Korruption in der Lieferkette gewährleistet ist, u.ä. Man sollte den jeweiligen CSR-Report (Corporate Social Responsibility) anschauen und auch prüfen, wie lange es solche Reports überhaupt gibt. Man kann auch in der Mitglieder-Liste des UN Global Compact nach dem Hersteller such (bei uns steht noch Fujitsu Siemens drin). Die meisten IT Hersteller sind da etwas "zurückhaltend". Grundsätzlich kann man nie die gesamte Lieferkette jedes Jahr auditieren, wir streben 10% jedes Jahr an. Es ist wichtig, dass Lieferanten wissen, dass es überhaupt einen regelmäßigen Auditprozeß gibt.

Beste Grüße,

BK

 
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